Hände weg von Brennspiritus / Jährlich 4.000 Grillunfälle / Besonders Kinder gefährdet / Tipps für sicheres Grillen

Mindestens 70 Millionen Mal grillen die Deutschen Jahr für Jahr zwischen April und Oktober im Freien. Trotz aller Warnungen passieren unzählige leichtfertig verursachte Unfälle, weil Spiritus als Brandbeschleuniger eingesetzt wird. Wer wenige Faustregeln beachtet, kann sicher grillen. Gemeinsam mit dem Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung (IFS) der öffentlichen Versicherer geben die VGH Versicherungen als niedersächsischer Marktführer Tipps für ein sicheres Grillvergnügen.

 

April 2015: Tränen im Gerichtssaal, weil ein Erzieher mit Spiritus die Grillkohle befeuerte und ein ihm anvertrautes Kind versehentlich in Brand setzte. Die Geldstrafe von 4.500 Euro würde er liebend gerne verzehnfachen, wenn er das Geschehene nur rückgängig machen könnte. „Vor allem Kinder sind die Leidtragenden“, sagt Adelheid Gottwald von der Selbsthilfegruppe für Brandopfer „Paulinchen e.V.“. Fast alle Unfälle wären vermeidbar, wenn Hobbygriller keinen Spiritus einsetzten. Die Tragweite dieser falschen Entscheidung bei der liebsten Sommerbeschäftigung der Deutschen ist vielen nicht bewusst: „Eine Verpuffung ist keine Stichflamme, sondern eine meterbreite und meterhohe Flammenwand, die alles erfasst, was in der Nähe steht", so Gottwald. Seit Jahren ist die Anzahl der Unfallopfer unverändert hoch. Berichte von Feuerwehren und Krankenhäusern erschrecken: Etwa 4.000 Menschen verletzten sich jährlich, statt ihr Grillgut zu genießen. Jeder achte muss mit schwersten Verbrennungen notärztlich versorgt werden.

Auch „nur“ Anwesende haften
Jeder Anwesende trägt Verantwortung und haftet, wenn er oder sie beispielsweise einen Freund nicht daran hindert, Spiritus ins Feuer oder die Glut zu gießen. Wer nicht widerspricht – so urteilte das Oberlandesgericht Hamm (Az.: 9 U 129/08) – ist gleichermaßen mitschuldig. VGH-Sprecher Christian Worms: „Wichtiger als die nachträgliche Schuldzuweisung wäre es jedoch, wenn im Vorfeld die Vernunft siegt. Denn die Opfer werden ihr ganzes Leben daran erinnert, was in Sekunden der Leichtfertigkeit passierte.“

„Wer sich nicht der Brand- und Explosionsgefahr beim Grillen aussetzen will, nimmt harmlose Zündhilfen wie Pasten und Zündwürfel“, erklärt Dr. Hans-Hermann Drews, Geschäftsführer des IFS. Gut geeignet sind auch so genannte „Grillstarter“, ein Stück Rohr aus Stahl mit Griff und einer gelochten Platte im unteren Teil. Darin wird die Kohle mit Papier entzündet. Durch den „Kamineffekt“ glüht diese schnell durch und kann dann auf den Grill geschüttet werden. Ein neuer und ebenfalls sicherer Trend sind elektrische Grillanzünder, zum Beispiel in Form einer Heizspirale. Diese wird unter der Kohle oder den Briketts positioniert und erzeugt innerhalb weniger Minuten eine rauchfreie Glut. Auch eine Kombination von Gebläse und Heizspirale, die in kurzer Entfernung zur Holzkohle gehalten wird, ist eine Methode zum sicheren und schnellen Grillvergnügen.

Auf Nummer sicher beim Grillen – wichtige Tipps

1. Kinder über die Gefahren aufklären und nicht unbeaufsichtigt lassen!
2. Niemals Brennspiritus oder Benzin benutzten. LEBENSGEFAHR!
3. Feuerfesten Untergrund im Freien als Standort wählen und ein standsicheres Gerät verwenden.
4. Nur mit geeigneten Zündhilfen arbeiten, wie (elektrischen) Anzündern, Zündwürfeln, Pasten oder Grillstartern.
5. Beim Einkauf auf sichere und geprüfte Qualität achten, die in der Regel durch DIN- oder GS-Zeichen dokumentiert wird.
6. Ausreichend Sicherheitsabstand von Feld, Wald und Flur sowie von brennbaren Stoffen einhalten. Auf die Windrichtung achten, wegen des Funkenfluges.
7. Grillhandschuhe ohne Kunstfasern und lange Grillzangen benutzen.
8. Selbst bei schlechtem Wetter gehört ein Grill nicht unter den Sonnenschirm und schon gar nicht in einen geschlossenen Raum. Rauch ist giftig und lebensgefährlich.
9. Kohle und Briketts nach dem Grillen mit Wasser sorgfältig ablöschen oder drei Tage in einem feuerfesten Behälter auskühlen lassen. Asche ist nicht kompostierbar und gehört in den Restmüll.

 

Quelle: VGH

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